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26 Katzen sind 2016 in der Marienberger Tierschutzstation aufgenommen worden. Die meisten werden im Herbst gebracht.

Marienberg. Wer den Rücken von Florentine streichelt, spürt deutlich die Glieder ihrer Wirbelsäule. Zu deutlich. Florentine, die grau-weiß getigerte Katze, hat in den vergangenen Monaten stark an Gewicht verloren, etwa 2800 Gramm bringt sie noch auf die Waage. "Normal sind fünf bis sechs Kilogramm", sagt Ulrike Kreher, die Leiterin der Tierschutzstation Marienberg. Florentines Fall liegt ihr besonders am Herzen. Eine Frau aus Niederlauterstein hatte die Katzendame Ende August gefunden und in der Station abgegeben. "Sie hat zwar gegessen, konnte aber nichts bei sich behalten."

Evelyn Mühl arbeitet als Bundesfreiwillige in der Marienberger Tierschutzstation.
Das Leichtgewicht Florentine hat Vertrauen zu ihr. Foto: Jan Görner

Florentine ist eine von 26 Katzen, die hier im vergangenen Jahr aufgenommen wurden. Hinzu kamen drei Hunde und eine Schildkröte. "Es war ein ruhiges Jahr", sagt Kreher. Zum Vergleich: 2015 waren 66 Katzen betreut und vermittelt worden. Zufällige Schwankungen. Ein Blick auf die Statistik seit dem Jahr 2000 lässt keinen Trend erkennen.

Allerdings: Katzen bilden eine deutliche Mehrheit unter den Bewohnern der Tierschutzstation. Laut Kreher werden die meisten gebracht, sobald es kälter wird. "Im Herbst ist es am schlimmsten." Kreher erklärt sich das so: Solange es warm ist, füttern viele Leute die Tiere, stellen ab und zu eine Schüssel Milch in den Garten. Doch wenn der Sommer vorüber geht, fragen sie sich: "Was mache ich mit der Katze?"

Wird ein Tier in der Station abgegeben, kommt es zuerst in Quarantäne. Zwei Wochen lang. Es wird auf Flöhe und Milben untersucht, notfalls entwurmt und gegen Katzenschnupfen oder Tollwut geimpft. Auch Florentine musste anfangs behandelt werden, ihr kurzes Fell war struppig, ungepflegt. Kreher schätzt ihr Alter auf zehn Jahre. In der Regel ist sie zutraulich, nur selten wird sie aggressiv. "Als der Tierarzt sie untersuchte, hat ihr das nicht gefallen." Warum die Katze Probleme mit der Verdauung hat, ist unklar, aber mittlerweile wendet Kreher ein passables Rezept an: Babybrei. Den verträgt Florentine offenbar gut, sie erholt sich langsam, nimmt wieder zu.

Noch hat sich kein neuer Halter für Florentine gefunden. Im vergangenen Jahr wurden insgesamt 39 Tiere aus der Station vermittelt. Zwischen 30 und 50 Euro zahlt, wer eines von ihnen adoptieren möchte. Das Geld fließt demnach in die Behandlung neuer Bewohner "Das ist eine Schutzgebühr", sagt Kreher. Im Prinzip kann sich jeder, der Interesse hat, ein Tier aussuchen. Nur eines schließt die Stationsleiterin aus: "Auf Probe geht nicht. Auch Tiere haben eine Seele."

Der Verein finanziert sich größtenteils über Spenden, von der Stadt kommt ein Zuschuss. Die Anlage soll bald erweitert werden, möglichst noch in diesem Jahr. Ein Hundezwinger samt Futterküche und Lager wird laut Plan entstehen. Die Kosten liegen bei 175.000 Euro, Fördermittel sind bereits beantragt.

Von Christoph Pengel erschienen am 10.01.2017 in der Freien Presse

http://www.freiepresse.de/LOKALES/ERZGEBIRGE/MARIENBERG/Warum-eine-Zehnjaehrige-mit-Babybrei-gefuettert-wird-artikel9805661.php

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  • letzte Änderung: Dienstag, 18. September 2018